29 Juni 2013

Rezension: Das Bildnis des Dorian Gray - Oscar Wilde


Titel: Das Bildnis des Dorian Gray
Autor:  Oscar Wilde
Verlag: Weltbild
Taschenbuch: 382 Seiten
Preis: zurzeit nicht erhältlich
ISBN: 978-3828979301

Klappentext"Der junge Dorian Gray, ein reicher und schöner Mann, wird von der faszinierenden Persönlichkeit Lord Herny Wotans, eines geistreich-zynischen Dandys, unwiderstehlich angezogen. Dorian macht sich Wotans Hedonismus zu eigen und äußert während einer Porträtsitzung den Wunsch, nicht er selbst, sondern sein Porträt möge die äußeren Anzeichen des unwiederbringlichen körperlichen Verfalls zeigen. Fortan führt Dorian ein Leben frei von moralischen Bedenken. Trotz all seiner Ausschweifungen bleibt er jung und schön, doch sein Porträt verändert sich..."


Inhalt & Stil

Dorian Gray ist ein junger Mann und besitzt eine Schönheit, die die Menschen, die er trifft bezaubert. Auch der Künstler Basil Hallward schafft durch ihn seine größten Kunstwerke. Eines Tages treffen ein Freund Hallwards, Lord Henry Wotton, und Dorian Gray aufeinander. Lord Henry, zynisch und gewandt in seiner Wortwahl, öffnet dem jungen Dorian die Augen für seine Jugend und Schönheit - aber auch für dessen Vergänglichkeit. Während Dorian von Basil portraitiert wird, äußert er den folgenschweren Wunsch:

"Wie traurig es ist! Ich soll alten werden, 
schauerlich, widerwärtig. 
Aber dieses Bild wird immer jung bleiben [...] 
Wenn ich es wäre, der ewig jung blieb, 
und wenn das Bild alt würde! 
Dafür - dafür - gäbe ich alles!"
(Zitat, Seite 43)

Von diesem Augenblick an entwickelt sich die nazisstische Persönlichkeit Dorian Grays immer weiter, fühlt sich bestärkt durch die Ansichten von Lord Henry und eines Buches, welches er von ihm erhielt. Und während er das Leben genießt und Sünden begeht, bleibt sein Antlitz unangetastet.
Aus der Perspektive von Dorian Gray erfährt der Leser dessen Verwandlung von einem unschuldigen und reinen jungen Mann hin zu einem narzisstischen Menschen, der "vergiftet" wird, nach Genuss strebt und dafür seine Seele auch mit Sünden belädt. Angst davor, dass seine Schönheit und Jugend nur vergänglich ist, gibt er sich auch verschiedenen Studien der Sinne hin. Diese Teile sind einerseits detailliert recherchiert, da sie eine Vielzahl von Definitionen und Verweisen enthalten, doch andererseits meiner Meinung nach zu umfangreich, so dass der Handlungsbogen deutlicher abflacht. 
Spannend und literarisch sehr gelungen dargestellt ist die Wandlung von Dorian Gray erkennbar, der, als er sich den Folgen seines Wunsches bewusst wird, im Laufe der Jahre verschiedenste Charakterzüge aufweist. Leidenschaft, Scham, Angst, Genuss und Schuldzuweisungen, für diejenigen, die seinen Verstand vergiftet und sein Leben in diese Bahnen gelenkt haben. Anschaulich zeigt sich hier dem Leser, wie einfach manche Menschen sich durch Worte anderer beeinflussen lassen können und welche dramatischen Auswirkungen daraus erwachsen. 
Der Schreibstil, an den ich mich zu Beginn gewöhnen musste, ich phasenweise sehr beschreibend und durch die Thesen von Lord Henry auch gespickt mit zynischen Anspielungen und Wortspielereien. 


Charaktere

Dorian Gray - zu Beginn ein unschuldiger, junger Mann. Doch mit der Bekanntschaft von Lord Henry gelangt er zu neuen Ansichten und Überzeugungen und erscheint schon bald als vollkommen gewandelter Charakter. Eigener Genuss und ewige Jugend und Schönheit treten für ihn an erste Stelle und seine begangenen Sünden versucht er stets zu rechtfertigen und seiner Verantwortung zu entziehen!

Lord Henry Wotton - gebildet, zynisch und sehr wortgewandt ist es für Lord Henry zu Beginn interessant, dem jungen Dorian Gray die Geheimnisse des Lebens zu verraten. Seine Ansichten fast immer zynisch und scheinen alles in Frage zu stellen und keiner Sache ihre eigentliche Definition zubilligen zu wollen. Doch in Momenten, in denen Dorian Gray an sich und seinem Verhalten zu zweifeln scheint, nimmt Lord Henry ihn kaum ernst und schafft es immer wieder, ihn in seinen Bann zu ziehen. Doch welche Absicht er damit verfolgt und ob er selbst an seine Worte glaubt, muss jeder Leser für sich entscheiden. 

Basil Hallward - ebenfalls eine tragische Figur in der Handlung. Als Künstler schafft er durch den Einfluss von Dorian Gray seine größten Werke, doch werden gerade diese zum Verhängnis für alle Beteiligten. Optimistisch widerspricht er den Worten Lord Henrys und glaubt fest an das Gute und Reine in Dorian Grey

Nebencharaktere - zahlreiche Nebencharaktere der englischen Gesellschaft und aus der näheren Bekanntschaft der Hauptcharaktere, treten in diesem Buch in einzelnen Kapiteln kurz in Erscheinung. Trotz allem wird oftmals die Auswirkung auf ihr Leben durch diese Bekanntschaft in die Handlung integriert.  


Cover & Design

Bei der Ausgabe des Weltbild-Verlages handelt es sich um ein gebundenes Buch. Die Größe übertrifft nur leicht das A6-Format. Das Cover selbst passt zu einer Reihe von klassischen Büchern, die in dieser Verlags-Ausgabe erschienen sind (ich besitze noch drei weitere) und besitzt zudem einen vergoldeten Buchschnitt. Das Buch selbst ist mit Leinen bezogen. Außerdem wird die eigentliche Geschichte durch ein Nachwort, eine Zeittafel, Anmerkungen und bibliographische Hinweise ergänzt.


Fazit

Ein Klassiker der besonderen Art, der durch die zahlreichen zynischen Theorien Lord Henrys und die Ausschweifungen von Dorian Gray aber auch ein paar deutliche Längen aufweist. Trotzdem kann der Leser durch die interessante Thematik bis zur letzten Seite fesseln und die charakterliche Veränderung von Dorian Gray wird sehr gekonnt dargestellt.


"Das Gewöhnlichste wird reizvoll,
wenn man es nur verbirgt."

(Zitat: Oscar Wilde - 
Das Bildnis des Dorian Gray
Seite 13)



1 Kommentar:

  1. "The picture of Dorian Gray" ist eines meiner drei Lieblingsbücher! :) Ich finde die Geschichte toll, das Ende fand ich schockierend aber gut. Und ich liebe einfach Oscar Wildes Schreibstil und seine Einstellungen! :)
    Meine Lieblingsstelle ist der Monolog von Lord Henry den er Dorian im Garten hält! (Dieses wie wichtig die Jugend ist.) :)

    Freut mich, dass es dir gefallen hat. :) Falls du es noch nicht gelesen hast kann ich auch "The Importance of being Earnest" von Oscar Widle empfehlen! :)

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